Die 6 (Selbst-)FührungsKräfte des Menschen

Die 6 (Selbst-)FührungsKräfte des Menschen

Führung heißt zu aller erst Selbstführung. Nur wer sich selbst führen kann, kann auch andere führen.
Selbstführung bedeutet Selbststeuerung. Die Steuerung seiner eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen.
Wir Menschen haben 6 Kompetenzen in unserm Hirn, als neuronale Netzwerke angelegt, die uns eine Selbststeuerung durch unser Bewusstsein ermöglichen. Auf diese möchte ich hier für Dich näher eingehen.

Was ist Selbstführung?

Das ist eine schwere Frage. Der freie Wille, so wie wir Ihn uns in den letzten Jahrzehnten vorgestellt haben existiert nicht. In Versuchen hat man herausgefunden, dass immer dann, wenn ein Mensch sich bewusst für etwas entschieden hat, ein paar tausendstel Sekunden vorher etwas im limbischen System aufflackert.

Dies bedeutet, dass unser Bewusstsein lediglich die Entscheidung wahrnimmt und die Begründung liefert. Unser Bewusstsein ist der „Regierungssprecher“ und das Unterbewusstsein bestimmt die Reaktion.

„Das letzte Wort hat immer das limbische System!“
(Hans-Georg Häusel)

Wo liegt der freie Wille, die Selbststeuerung, nun?
Da alle unsere Handlungen aus uns selbst kommen, aus unserer Interpretation vorangegangener Erfahrungen, haben wir uns selbst „programmiert“.
Hier liegt die Möglichkeit der Freiheit. Wir können Erfahrungen machen, die unsere unbewussten Reaktionen so verändern, dass wir zukünftig so reagieren, wie wir das gerne hätten.

„Wir nehmen nicht nur den Fluss der Emotionen war, der uns zu einer Reaktion veranlasst, wir sind gleichzeitig die Quelle.“
(Lisa Feldman Barret)

Um diese Quelle beherrschen zu können und selbstbestimmtes Verhalten zu entwickeln, benötigt es Aufmerksamkeit auf gewisse Haltungen (Einstellungen) und Kompetenzen. Denn natürlich haben wir Menschen einen freien Willen, nur braucht dieser einige “neuronale Muskeln” also Netzwerke, damit wir ihn auch nutzen können.

3 Haltungen von entscheidender Bedeutung

LP3 AutonomieSelbstbestimmung
Selbstbestimmung ist die Haltung sein eigenes biologisches System wahrnehmen und akzeptieren zu wollen, um es in einer Art und Weise zu beeinflussen, das Verhaltensweisen und Gewohnheiten entstehen, die zur eigenen Zufriedenheit und Erfüllung führen.

LP3 EigenverantwortungEigenverantwortung
Eigenverantwortung ist die Eigenschaft Verantwortung für sein Handeln und dessen Wirkungen zu übernehmen. Sie entsteht durch das Verstehen, dass jede Handlung auf Basis seiner eigenen Entscheidung gefällt worden ist.


LP3 MitverantwortungMitverantwortung
Mitverantwortung ist die Eigenschaft auch die Gefühle und Bedürfnisse anderer Wesen erleben zu können und diese in die Auswahl der eigenen Handlungsstrategien mit aufzunehmen. Sie entsteht durch das Verstehen der Wirkung von Spiegelneuronen (Empathie) auf das eigene Empfinden.

Diese drei Eigenschaften benötigen starke neuronale Netze in unserem Gehirn.

Diese Netze können wir wie folgt benennen:

Die 6 Kompetenzen der Freiheit des Menschen

LP3 Selbstwahrnehmung

(Selbst-)Wahrnehmung
Achtsamkeit und die Trennung zwischen Beobachtung und Bewertung macht es uns Menschen erst möglich den Reiz und die Wirkung bewusst wahrzunehmen. Diese Kompetenz bildet die absolute Grundlage für jede Selbststeuerung. Ohne zu wissen was hier gerade in Dir und mit Dir geschieht, wirst Du keine Veränderungen bewirken können.
Ohne ein Bild auf dem Schirm des Bewusstseins, keine Erkenntnis.

Wie kann ich (Selbst-)Wahrnehmung trainieren?

  • Durch Achtsamkeitsmeditationen
  • Durch die regelmäßige Frage „Was passiert hier gerade in mir?“ „Was fühle und brauche ich jetzt?“
  • Nimm Kontakt zu Deinem Körpergefühl auf, wann immer es geht. Es gilt:
    „Wer nach außen schaut, der träumt, wer nach Innen schaut, erwacht!“
 

LP3 KreativitätKreativität (Offenheit)
Sie ist Grundlage für das Finden von Zielen, Träumen, Wünschen, Ideen und Lösungen.
Was ist Kreativität eigentlich? Kreativität ist die Fähigkeit die bisher vorhandenen neuronalen Netzwerke, die unsere bisher gemachten Erfahrungen speichern, so miteinander zu verknüpfen, dass etwas Neues dabei herauskommt. Es hat noch niemals ein Mensch eine Eingebung aus dem Nichts erhalten. Alles was wir sind und erschaffen haben, haben wir erschaffen können, weil wir beobachtet, erlebt und dann kopiert haben. Diese Kopien haben wir dann mit anderen Erfahrungen verwoben.
Die Entdeckung des Feuermachens bei uns Menschen wird zum Beispiel mehrere eigene Erfahrungen gebraucht haben. Zum einen, dass Feuer warm und angenehm sein kann und schützend für die Gruppe und zum anderen, dass Hitze entsteht, wenn wir Dinge aneinander reiben. Diese Hitze wird es wahrscheinlich gewesen sein, die die Menschen dazu veranlasst haben zu kombinieren.
Kreativität braucht also viel Erfahrung/Wissen und die Offenheit, die Dinge anders zu machen als bisher erlebt.
Frei nach dem Motto: „Alle sagten, das geht nicht, da kam einer und wusste das nicht und hat es einfach gemacht.“
Weiterhin ist die Kreativität eine wichtige Kompetenz für die Selbststeuerung, da aus ihr heraus weit in der Zukunft liegende Ziele (große Bedürfniserfüllungen) entstehen können. Die großen Ziele im Leben, der Sinn Deines Handelns, ermöglicht es Dir erst, Dich gegen die Einflüsse des Alltags zu bewähren. Kreativität ist ebenso die Grundlage der Impulssteuerung.

Wie kann ich Kreativität trainieren?

Sei verrückt! (Im wahrsten Sinne des Wortes = „ver-rücken“)

    • Probiere Neues aus (Bestell einfach mal etwas anderes in Deinem Lieblingsrestaurant)
    • Vermische die Dinge und gucke was geschieht
    • Lass Dich dabei von unangenehmen Ergebnissen nicht irritieren: „FEHLER“ sind lediglich „HELFER“, irgendwer hat hier nur einmal die Buchstaben verdreht.

Setze Dir emotional aufgeladene Ziele!

      • Frage Dich wie Du sein willst?
      • Wo willst Du im Leben hin?
      • Was willst Du in Deinem Leben erleben?
      • Wie willst Du auf Deine Leben zurückschauen, wenn Du alt bist?

LP3 ImpulskontrolleImpulskontrolle
Ohne sie wäre eine bewusste Steuerung unseres Basissystems nicht möglich. Alles was wir erleben löst Reaktionen aus. Reaktionen basieren auf unseren neuronalen Verhaltensmustern. Immer dann, wenn ein Reiz diese auslöst, will das Netzwerk loslegen. In der Regel gewinnt das Stärkere (die Gewohnheit!). Um nun aktivierte Muster zu hemmen, benötigen wir im Gehirn Botenstoffe. Dieser Prozess will gelernt werden. Kinder im Alter bis 3 Jahren können dies noch gar nicht. Sie ahmen jegliches beobachtetes Verhalten nach ohne es „bremsen“ zu können.
Je älter wir werden umso mehr haben wir die Gelegenheit unsere Impulssteuerung zu trainieren.
Unser Gehirn ist nur dann bereit einen Impuls zu hemmen, wenn es eine noch größere Erfüllung in Aussicht gestellt bekommt. Ohne ein langfristiges Ziel, gar eine Vision, wie Du sein möchtest, wirst Du von Deinem Gehirn immer wieder auf Deine alten Muster zurückgeworfen.

Wie kann ich Impulskontrolle trainieren?

  • Achtsamkeitsmeditation
  • Sinnesmeditation in der Du nach und nach alle Eindrücke immer wieder „fallen lässt“
  • Mache Erfahrungen, in denen Deine bewusste Impulskontrolle zu einer Verbesserung Deiner Situation geführt hat. Dies gibt Deinem Gehirn Vertrauen!
  • Dusch einfach mal kalt – mache die Dinge einmal anders!

Bedenke dabei, dass Dein Gehirn Dir nicht erlauben wird den Impuls zu hemmen, wenn Du ihm nicht ein emotional aufgeladenes Bild zeigst, welche eine noch größere Bedürfniserfüllung verspricht, als die gerade jetzt anvisierte!
Ohne Ziele keine Impulskontrolle! Damit wirst Du ohne eigene Ziele zwangsläufig immer nur die Ziele anderer verfolgen, sei es auch nur die alten Ziele, die zu Deinen aktuellen Verhaltensmustern geführt haben.

LP3 EmpathieEmpathie
Einfühlungsvermögen ist die Grundlage für jedes soziale Verhalten. Erst durch das emotionale Verstehen eines anderen kann der Mensch die Anliegen und Bedürfnisse des Gegenübers in seine Handlungen einbeziehen.
Wenn Du mich beobachtest, wie ich mir gerade in einen Finger schneide, so wirst Du auch einen kurzen Schmerz spüren. (Selbst nur bei der Vorstellung, oder?) Hierfür sind unsere Spiegelneuronen verantwortlich. Diese lösen Gefühle in uns aus, die wir beim Wesen, welches wir beobachten vermuten. Interessant ist die neurologische Erkenntnis, dass der Schmerz, den Du spürst, wenn ich mir in den Finger schneide, bei Dir in der gleichen Hirnregion auftaucht, wie bei mir. Du fühlst im wahrsten Sinne des Wortes meinen Schmerz.
Dies können Deine Spiegelneuronen allerdings nur leisten, wenn sie eine Verbindung mit diesem Schmerz haben, wenn sie diesen kennen. Es ist nicht wirklich mein Schmerz, sondern den Schmerz, den Dein Gehirn aufgrund eigener Erfahrungen interpretiert.

Die Kompetenz der Empathie erlaubt es uns Menschen überhaupt sozial im Sinne der Gruppe zu interagieren. Sie ist einer der beiden Stoffe des „Zwei-Komponenten-Klebers” der Menschheit. Ob das emotionale Erleben des Gegenübers jedoch zu mehr sozialer Interaktion führt bestimmt Deine empathische Kompetenz nicht. Hierzu benötigst Du den zweiten Stoff des „Zwei-Komponenten-Klebers“ das Netzwerk des Mitgefühls.

Wie kann ich Empathie trainieren?

  • Empathie trainiert sich am besten, indem Du sie bekommst. Suche Dir verlässliche Quellen.
  • Versuche Dich in Kontakt mit anderen in sie hineinzuversetzen und frage empathisch nach.
  • Meditiere regelmäßig
 

LP3 MitgefühlMitgefühl
Sind die neuronalen Netze des Mitgefühls trainiert, so sind Entscheidungen eines Menschen eher auf positive Wirkung (Bedürfniserfüllung) ausgelegt.

Mitgefühl nennen wir die neuronalen Netze im Gehirn, die dafür verantwortlich sind, dass wir Glück erzeugen und Leid vermeiden wollen.
Wenn Du mich dabei beobachtest, wie ich mir in den Finger schneide und du fühlst den Schmerz, dann ist dies Empathie. Wenn Du nun den Handlungsimpuls bemerkst mich vielleicht zu trösten oder mir ein Pflaster zu holen, dann ist das Mitgefühl.
Sind Deine Mitgefühlsnetze im Gehirn trainiert, so wirst Du Deine Handlungen darauf auslegen, was Dir und allen anderen das Leben bereichert. Du nimmst eine kooperative, eben mitfühlende, Haltung ein. Du wirst Menschen nicht als reine Erfüllungsobjekte Deiner eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, sondern als eigenständig handelnde Subjekte, die genaue wie Du glücklich sein und Leid vermeiden möchten und Deine Handlungen darauf ausrichten. Diese Art von Führungskraft wird gesucht und gebraucht!

Wie kann ich Mitgefühl trainieren?

  • Mitgefühl trainiert der Mensch am effektivsten, indem er es, gerade im Kindesalter, bekommt.
  • Es gibt jahrtausendalte Mitgefühlsmeditationen, die wissenschaftlich validiert, das Mitgefühl stärken können.
  • Mach Dir so oft wie möglich bewusst, dass jeder Mensch, genau wie Du, glücklich sein und verstanden werden und dabei kein Leid verspüren möchte.

LP3 ErfahrungenErfahrungen
Die eben beschriebenen 5 Kompetenzen sind nicht viel Wert, wenn wir nicht einen großen Erfahrungsschatz haben. Vielleicht kennst Du das Sprichwort:

“Wer nur den Hammer als Werkzeug kennt, der sieht in jedem Problem einen Nagel.”

Hierdurch wird deutlich wie wichtig vielfältige Strategien und Methoden für einen selbstbestimmten Alltag sind.

Je mehr unterschiedliche Verhaltensweisen ich selbst erleben durfte, umso größer ist mein eigene Strategiespeicher. Die meisten Trainings und Seminare liefern genau das. Doch sind sie eben auch nichts Wert, wen die anderen 5 Kompetenzen nicht ebenfalls in den Fokus gesetzt werden.

Wenn Du in Deinem Leben selbst nur über Aufgaben geführt worden bist, so wirst Du selbst nur über Aufgaben führen können. Konntest Du Deine eigene Freiheit durch Andere erfahren, so kennst Du die Strategien und Methoden Andere auf Basis von Freiheit zu führen, eben weil Du es selbst erlebt hast.

Wie kann ich meine Erfahrungen erweitern?

Fülle Deinen Strategiespeicher:

    • Mache Erfahrungen jeglicher Art! (Sei offen!)
    • Lies Bücher (Nicht alle Leser sind große Führer, aber alle großen Führer waren Leser!)
    • Sammle Wissen an indem Du Andere beobachtest (Vorzugsweise die Personen, die Deine ziele schon erreicht haben!)

Fazit

Um sich selbst und damit andere führen zu können, Bedarf es Training. Training der neuronalen Netzwerke, die wir im menschlichsten Teil unseres Gehirns tragen, im Präfrontalen Cortex.

Es gibt nur einen Menschen, mit dem Du arbeiten und den Du verändern kannst, wenn Du eine gute Führungskraft sein möchtest: Du selbst!

Viel Erfolg beim Ausprobieren und stärken Deiner eigenen FührungsKraft!

Kommentar verfassen

Scroll to Top